Nach der Tagung ist vor der Tagung!

Merken Sie sich schon heute den Termin für die 23. Pilztagung - die gemeinsame Fachtagung für biogene Schadstoffe - am 25. und 26. Juni 2019 wieder im H+ Hotel Wiesbaden Niedernhausen vor.

Lesen Sie nachstehend den Bericht zur diesjährigen Pilztagung.

 

22. Pilztagung mit Teilnehmerrekord

Die 300-Teilnehmer-Marke habe man erstmals geknackt, sagte Karlheinz Müller vom Berufsverband Deutscher Baubiologen (VDB), neben dem Bundesverband Schimmelpilzsanierung (BSS) einer der beiden Ausrichter der 22. Pilztagung am 19./20. Juni 2018 in Niedernhausen bei Wiesbaden. Konzeptionell neu waren sechs Workshops, in denen die Teilnehmer je nach Neigung tiefer in einzelne Themen einsteigen konnten.
 

Neu war auf der 22. Pilztagung ein Workshop-Konzept, zum Beispiel zur Probenahme mit Klebestreifen und Direktmikroskopie … (Abb.: B+B BAUEN IM BESTAND/M. Henke).

Jeweils drei der insgesamt sechs Workshops konnte man im Laufe des Vormittags besuchen. Sie beschäftigten sich mit der Reinigung von Lüftungsanlagen, dem Umgang mit Schimmelspürhunden aus Sicht des Sachverständigen, das Aufspüren holzzerstörender Pilze mit Hilfe der Endoskopie, der Wirkung von Flächenheizungen auf Bauteile (insbesondere deren Feuchteverhalten), den Umgang mit Probenahmegeräten (Tipps und Tricks für die

… oder zu Sicherheitsschleusen. (Abb.: B+B BAUEN IM BESTAND/M. Henke)

Luftkeimsammlung) sowie das Nehmen von Klebefilmproben (was ist dabei zu beachten?) und deren Auswertung unter dem Mikroskop (was erkennt man bei welcher Vergrößerung?) sowie Umgebungsschutz, Schleusen und Unterdruckhaltung (u .a. Vorstellung einer neuen einfach zu handhabenden Schleuse). Dieser Teil bot Möglichkeiten sich in kleineren Gruppen intensiver auszutauschen, Detailfragen beantwortet zu bekommen und kam bei den Teilnehmern so gut an, dass er im kommenden Jahr wiederholt werden wird.

Wie man mit Vollbluttest das Entzündungspotenzial von Arbeitsumgebungen und Innenräumen ermitteln kann, war das Thema von Prof. Dr. Monika Raulf. (Abb.: B+B BAUEN IM BESTAND/M. Henke)

Mit Vollbluttest Entzündungspotenzial einschätzen
Ansonsten bot die Pilztagung wieder ein abwechslungsreiches Programm von Recht bis Medizin, letzterer Aspekt erstmals wieder mit drei Vorträgen dabei, nachdem er in den vergangenen beiden Jahren kaum im Programm aufgetaucht war. Besonders interessant war hier der Vortrag von Prof. Dr. Monika Raulf vom Institut für Prävention und Arbeitsmedizin der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung an der Ruhr-Universität Bochum. Sie stellte ihre Untersuchungen zu Vollbluttests vor. Mit diesen lässt sich zum einen das proinflammatorische/pyrogene Potenzial (Entzündungsreaktionen) von Staubfilterproben und von mikrobiellen Einzelkomponenten beschreiben und einschätzen oder andersherum – verkürzt ausgedrückt – auch die Anfälligkeit von Einzelpersonen gegenüber bestimmten Umgebungen, in denen sich solche Komponenten befinden.
 

Statistisch Hintergrundwerte abgeleitet
Bemerkenswert war auch ein Vortrag von Judith Meider (Labor Urbanus) und Dr. Christoph Trautmann (Umweltmykologie). Sie haben mehr als 10.000 Proben für EPS (etwa drei Viertel der Proben), Mineralfaser und Putz ausgewertet (KBE-Konzentration, Bestimmung der Gesamtzellzahl und Mikroskopie). Die Durchführung der Probenanalysen wurde zuvor für beide Labore bis in kleinste Details vereinheitlicht. Aus dieser statistisch relevanten Probenmenge wurden mit statistischen Verfahren und unter Berücksichtigung qualitativer Kriterien eine Abgrenzung zwischen üblichen Hintergrundkonzentrationen, einem Grenzbereich sowie Besiedlung und starker Besiedlung abgeleitet – und zwar differenziert nach Analysemethode. In dieser Form ist die Festlegung von abgesicherten Hintergrundkonzentrationen neu.
Eine interessante Erkenntnis war in diesem Zusammenhang auch, dass die Ergebnisse derjenigen Labormethoden, bei denen die Schimmelpilze aus der Probe zunächst auf Nährmedien angezüchtet werden, und der Direktmikroskopie am häufigsten voneinander abweichen. Erklärung: Während die Mikroskopie zuverlässig einen Befall auf der Oberfläche erfasst, von dem die Probe abgenommen wird, erfassen die anderen Methoden besser auch einen Befall tiefer im Material.
 

Wird der Schimmelsanier zum Asbestsanierer?
Ein weiterer Schwerpunkt war die Sensibilisierung für Asbest in Putzen, Fliesenklebern und Spachtelmassen. Denn auch wenn Umgebungs- und Arbeitsschutz bei der Schimmelpilzsanierung eine wesentliche Rolle spielt, gelten für eine Asbestsanierung noch einmal andere Regelungen.
Wer Interesse am Tagungsband hat, kann sich an den VDB wenden (www.pilztagung.de). Ein ausführlicherer Bericht zur 22. Pilztagung wird in der Ausgabe 5/2018 von B+B BAUEN IM BESTAND erscheinen.

Autor: Michael Henke
Quelle: Bauen im Bestand24.de, Branchen-News Ausgabe #308 l 26.06.2018,
https://www.bauenimbestand24.de/