Merken Sie sich den Termin für das Jahr 2020 vor!

Wir sehen uns wieder am 23. und 24. Juni in Wiesbaden!

Es erwarten Sie neu konzipierte Workshops am ersten Tag und ein Vortragsprogramm am zweiten Tag.

Erste Information zum Programm erhalten Sie an dieser Stelle im Dezember.

Bis dahin wünschen wir eine gute Zeit!

 

 


Nach oben

Rückblick auf eine erfolgreiche 23. Pilztagung

23. Pilztagung: Mehr Workshops und Schimmel auf Holz als Schwerpunktthema lockten am 25. und 26. Juni 2019 rund 280 Teilnehmer nach Niedernhausen bei Wiesbaden zur diesjährigen Pilztagung des Bundesverbandes Deutscher Baubiologen VDB und des Bundesverbandes Schimmelpilzsanierung BSS.

Nachdem auf der Pilztagung im vergangenen Jahr das Konzept seine erfolgreiche Premiere gefeiert hatte, sechs parallel laufende circa 45-minütige Workshops anzubieten, wurde es in diesem Jahr ausgebaut. Der erste Tag stand ganz im Zeichen dieser Workshops, so dass vor- und nachmittags jeweils sechs unterschiedliche angeboten wurden, von denen man die Hälfte besuchen konnte.

Workshops haben den Vorteil, dass die angebotenen Inhalte anschaulicher dargeboten werden können und die Teilnehmer die Möglichkeit haben, Geräte und Verfahren zu sehen oder selbst auszuprobieren. Es macht zum Beispiel einen Unterschied, ob man lediglich erzählt bekommt, wie Materialien feingereinigt werden können oder ob man wie im Workshop von Dr. Christoph Trautmann, Karin Götz und Bernhard Eckert auf präparierten unterschiedlichen Materialien selbst ausprobieren kann, wie gut sich durch Tonerpulver simulierter Schimmelbefall mit Bausaugern und Mikrofasertüchern jeweils entfernen lässt – inklusive eines abschließenden Blicks in das Mikroskop auf die Klebefilmprobe, die das offenbarte, was den Reinigungsbemühungen Stand gehalten hatte.

Ein weiteres Beispiel: Dirk Herberg stellte die optische Bauforensik vor, eine Untersuchungsstrategie, an der zunehmend Interesse besteht. Mit dieser Methode lässt sich eine schwache Fluoreszenz anregen und so mit bloßem Auge nicht erkennbare Verunreinigungen sichtbar machen. So können zum Beispiel alte Schäden oder geeignete Stellen für Probennahmen gefunden werden. Die Methode beruht auf einer Kombination aus einer monochromatischen LED-Lampe mit einem Filter in der Komplementärfarbe. Auch hier hatte Herberg Präparate, Lampen und Filter dabei, so dass die Teilnehmer selbst auf Spurensuche gehen konnten.

Gerne länger hätte der Workshop von Richard Zinken, Firma Corroventa, dauern können, der nicht nur das Drei-Phasen-Modell der Trocknung, von der Kapillartrocknung über Kapillar- und Diffusionstrocknung bis hin zur reinen Diffusionstrocknung erläuterte, sondern auch ein Diagramm vorstellte, das alle Parameter enthält, um einen Trocknungsprozess einzuschätzen und zu steuern: Wassergehalt, Trockenkugel-Temperatur (relative Luftfeuchtigkeit < 50 %), Feuchtkugel-Temperatur (relative Luftfeuchtigkeit > 50 %), Enthalpie (Wärmeinhalt) und Dampfdruck. Um den Zusammenhang dieser Einflussfaktoren auf die Steuerung einer Trocknung tiefer zu verstehen, reichte die Zeit leider nicht aus.

Aber nicht alle Workshops ernteten Lob von ihren Teilnehmern. „Zu werblich“ war eine mehrfach geäußerte Kritik in den Pausengesprächen.

Wenn Holz zu feucht wird

Der zweite Tag fand dann wieder im Plenum statt und widmete sich schwerpunktmäßig dem Schimmelbefall auf Bauteilen aus Holz oder Holzwerkstoffen. Zunächst gab Angela Steinfurth einen Überblick über holzbesiedelnde Pilze und unterschied zwischen holzzerstörenden Pilzen wie Weiß-, Braun- und Moderfäulepilzen und den holzverfärbenden Schimmel- und Bläuepilzen. Erstere werden saniert, um die statischen Eigenschaften zu erhalten, letztere aus innenraumhygienischen (Schimmel) beziehungsweise nutzungsbedingt/ästhetischen Gründen (Bläue). Die Wachstumsvoraussetzungen werden bei allen diesen Pilzen von den gleichen Faktoren bestimmt, insbesondere von der Feuchtigkeit, dem Angebot an Holz-Nährstoffen und dem Zeitraum, in dem für die Pilze günstige Bedingungen vorliegen.

Interessant ist, dass sowohl die Schimmel-, die Bläue- als auch die Moderfäulepilze den Deutero- und Ascomyceten zuzuordnen sind. So können unterschiedliche Schadensbilder von der gleichen Art ausgelöst werden. Wie, ist abhängig von den Umgebungsbedingungen und dem Zeitfaktor. So wird Chaetomium spp. als Schimmelpilz angesehen, kann aber auf Holz Moderfäule auslösen. Ascomyceten können zudem in Haupt- und Nebenfruchtform auftreten. Als Beispiel nannte Steinfurth Peziza spp. Bei hohen Feuchtelasten ist Peziza spp. als Becherling gut erkennbar. Die Nebenfruchtform Chromelosporium spp. wird hingegen als typischer Schimmelpilz abgesehen.

Die Sanierungskonzepte werden darauf abgestimmt. Als Bläuepilze werden Mikropilze mit pigmentierten Hyphen bezeichnet. So lange die Hyphen im Inneren des Holzes wachsen und es zu keiner oberflächlichen Ausbreitung kommt, wird Bläue allein als Verfärbung betrachtet. Im Gegensatz zu Schimmel, der in der Regel die Oberfläche besiedelt, kann Bläue nicht durch abtragende Verfahren entfernt werden.

Pia Haun erläuterte, wie bei einem Schimmelschaden auf Holz die Sanierung geplant und durchgeführt werden kann. Geklärt werden sollten dabei unter anderem folgende Fragen:

  • Liegen (weiterhin) die Wachstumsbedingungen für Schimmel vor? (Messung der relativen Luftfeuchtigkeit)
  • Ist eine technische Trocknung sinnvoll und möglich? (falls ja, einleiten)
  • Welche Funktion hat das Holz? (zum Beispiel tragend/aussteifend, dämmend, luftdicht, dekorativ)
  • Ist das Material geschädigt, so dass es seine Funktion nicht mehr erfüllen kann und ein Rückbau aus technischen Gründen notwendig ist? (Quellen und Schwinden ist bei Holzwerkstoffen irreversibel, der Schimmelbefall ist dann nachrangig)

Sind diese Fragen geklärt, ist das Sanierungsziel mit dem Bauherrn festzulegen. Da der Schimmel bei Vollholz nur die Oberfläche besiedelt, kann er mit reinigenden und abtragenden Verfahren in der Regel gut entfernt werden – vorausgesetzt die befallenen Bereiche sind für den Handwerker mit „normaler“ Statur auch erreichbar. Anders sieht es bei Holzwerkstoffen aus. Bei diesen ist es möglich, dass der Schimmel den gesamten Querschnitt durchwächst, ein Austausch ist dann unvermeidlich.

In diesem Zusammenhang äußerte sich Haun kritisch zum Abschotten schimmelbelasteter Bereiche. Sie stellte bei dieser Sanierungsmethode die Dauerhaftigkeit infrage und wies darauf hin, dass es schwierig zu überprüfen sei, ob auf Dauer keine Schimmelbestandteile in den Innenraum gelangen.

Als dritter Referent zum Thema Schimmel auf Holz stieg Björn Dinger auf das Podium. Er widmete sich insbesondere der Feuchtigkeit als Grundbedingung für Schimmelwachstum. Feuchtigkeit kann aus dem Holz selbst oder aus Oberflächenablagerungen beziehungsweise der Umgebung kommen. Dünger veranschaulichte, dass die Materialfeuchte nach der Herstellung durch die technische Trocknung in der Regel unproblematisch sei. Feuchtequellen sind eher falsche Lagerung, Baufeuchte oder auch Feuchtigkeit aus der Nutzung.

Dünger zeigte an Beispielen, dass es häufig gerade bei Winterbaustellen zu einem Auffeuchten der Hölzer kommt, wenn nach dem Erstellen des Dachstuhls das Gebäude durch Fenster und Türen geschlossen wird, sei es dass die luftdichte Ebene zum Dachraum noch nicht erstellt oder mangelhaft ist oder es sich um eine wenig fehlertolerante gedämmte, ungelüftete Flachdachkonstruktion handelt.

Wenn die Ursache im Verborgenen liegt

Eine detektivische Note hatte der Vortrag von Robert Kussauer und Florian Schwan, die als Sachverständiger und Sanierer den Schimmelschaden in einem Kindergarten zu sanieren hatten. Angenommen wurde anfangs ein begrenzter Schimmelschaden infolge eines vorübergehend undichten Dachs mit kalkulierten Sanierungskosten von circa 2.000 Euro. Da die Laborwerte trotz augenscheinlich unauffälligem Befund ungewöhnlich hoch ausfielen, entschloss man sich zu einer Öffnung des Bodens und stellte fest, dass in der Konstruktion zwei bis fünf Millimeter Wasser stand.

Die Suche nach der Ursache begann. Dabei wurden weitere Schäden entdeckt: die Holzschwellen waren zum Beispiel von holzzerstörenden Pilzen befallen. Nachdem durch weitere Öffnungen nach und nach verschiedene Mängel ausgeschlossen werden konnten, entpuppte sich schließlich ein nicht verschraubtes Abwasserrohr als Hauptursache für die in die Konstruktion gelangte Feuchtigkeit. Am Ende betrugen die Sanierungskosten 400.000 Euro. Aber was wäre gewesen, wenn nur das anfängliche Schadensbild saniert worden wäre und Sachverständiger und Sanierer nicht so hartnäckig auf weitere Untersuchungen bestanden beziehungsweise diese auf eigene Verantwortung durchgeführt hätten?

Text/Autor: Michael Henke, Management Programm B+B BAUEN IM BESTAND,
erschienen in B+B BAUEN IM BESTAND, Ausgabe 4. September 2019,
Mehr unter https://www.bauenimbestand24.de/

 



Neu war auf der 22. Pilztagung ein Workshop-Konzept, zum Beispiel zur Probenahme mit Klebestreifen und Direktmikroskopie … (Abb.: B+B BAUEN IM BESTAND/M. Henke).

Jeweils drei der insgesamt sechs Workshops konnte man im Laufe des Vormittags besuchen. Sie beschäftigten sich mit der Reinigung von Lüftungsanlagen, dem Umgang mit Schimmelspürhunden aus Sicht des Sachverständigen, das Aufspüren holzzerstörender Pilze mit Hilfe der Endoskopie, der Wirkung von Flächenheizungen auf Bauteile (insbesondere deren Feuchteverhalten), den Umgang mit Probenahmegeräten (Tipps und Tricks für die

… oder zu Sicherheitsschleusen. (Abb.: B+B BAUEN IM BESTAND/M. Henke)

Luftkeimsammlung) sowie das Nehmen von Klebefilmproben (was ist dabei zu beachten?) und deren Auswertung unter dem Mikroskop (was erkennt man bei welcher Vergrößerung?) sowie Umgebungsschutz, Schleusen und Unterdruckhaltung (u .a. Vorstellung einer neuen einfach zu handhabenden Schleuse). Dieser Teil bot Möglichkeiten sich in kleineren Gruppen intensiver auszutauschen, Detailfragen beantwortet zu bekommen und kam bei den Teilnehmern so gut an, dass er im kommenden Jahr wiederholt werden wird.

Wie man mit Vollbluttest das Entzündungspotenzial von Arbeitsumgebungen und Innenräumen ermitteln kann, war das Thema von Prof. Dr. Monika Raulf. (Abb.: B+B BAUEN IM BESTAND/M. Henke)

Mit Vollbluttest Entzündungspotenzial einschätzen
Ansonsten bot die Pilztagung wieder ein abwechslungsreiches Programm von Recht bis Medizin, letzterer Aspekt erstmals wieder mit drei Vorträgen dabei, nachdem er in den vergangenen beiden Jahren kaum im Programm aufgetaucht war. Besonders interessant war hier der Vortrag von Prof. Dr. Monika Raulf vom Institut für Prävention und Arbeitsmedizin der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung an der Ruhr-Universität Bochum. Sie stellte ihre Untersuchungen zu Vollbluttests vor. Mit diesen lässt sich zum einen das proinflammatorische/pyrogene Potenzial (Entzündungsreaktionen) von Staubfilterproben und von mikrobiellen Einzelkomponenten beschreiben und einschätzen oder andersherum – verkürzt ausgedrückt – auch die Anfälligkeit von Einzelpersonen gegenüber bestimmten Umgebungen, in denen sich solche Komponenten befinden.
 

Statistisch Hintergrundwerte abgeleitet
Bemerkenswert war auch ein Vortrag von Judith Meider (Labor Urbanus) und Dr. Christoph Trautmann (Umweltmykologie). Sie haben mehr als 10.000 Proben für EPS (etwa drei Viertel der Proben), Mineralfaser und Putz ausgewertet (KBE-Konzentration, Bestimmung der Gesamtzellzahl und Mikroskopie). Die Durchführung der Probenanalysen wurde zuvor für beide Labore bis in kleinste Details vereinheitlicht. Aus dieser statistisch relevanten Probenmenge wurden mit statistischen Verfahren und unter Berücksichtigung qualitativer Kriterien eine Abgrenzung zwischen üblichen Hintergrundkonzentrationen, einem Grenzbereich sowie Besiedlung und starker Besiedlung abgeleitet – und zwar differenziert nach Analysemethode. In dieser Form ist die Festlegung von abgesicherten Hintergrundkonzentrationen neu.
Eine interessante Erkenntnis war in diesem Zusammenhang auch, dass die Ergebnisse derjenigen Labormethoden, bei denen die Schimmelpilze aus der Probe zunächst auf Nährmedien angezüchtet werden, und der Direktmikroskopie am häufigsten voneinander abweichen. Erklärung: Während die Mikroskopie zuverlässig einen Befall auf der Oberfläche erfasst, von dem die Probe abgenommen wird, erfassen die anderen Methoden besser auch einen Befall tiefer im Material.
 

Wird der Schimmelsanier zum Asbestsanierer?
Ein weiterer Schwerpunkt war die Sensibilisierung für Asbest in Putzen, Fliesenklebern und Spachtelmassen. Denn auch wenn Umgebungs- und Arbeitsschutz bei der Schimmelpilzsanierung eine wesentliche Rolle spielt, gelten für eine Asbestsanierung noch einmal andere Regelungen.
Wer Interesse am Tagungsband hat, kann sich an den VDB wenden (www.pilztagung.de). Ein ausführlicherer Bericht zur 22. Pilztagung wird in der Ausgabe 5/2018 von B+B BAUEN IM BESTAND erscheinen.

Autor: Michael Henke
Quelle: Bauen im Bestand24.de, Branchen-News Ausgabe #308 l 26.06.2018,
https://www.bauenimbestand24.de/