Rückblick auf die Pilztagung 2019

Zuhören und selbst ausprobieren

23. Pilztagung: Mehr Workshops und Schimmel auf Holz als Schwerpunktthema lockten am 25. und 26. Juni 2019 rund 280 Teilnehmer nach Niedernhausen bei Wiesbaden zur diesjährigen Pilztagung des Bundesverbandes Deutscher Baubiologen VDB und des Bundesverbandes Schimmelpilzsanierung BSS.

Nachdem auf der Pilztagung im vergangenen Jahr das Konzept seine erfolgreiche Premiere gefeiert hatte, sechs parallel laufende circa 45-minütige Workshops anzubieten, wurde es in diesem Jahr ausgebaut. Der erste Tag stand ganz im Zeichen dieser Workshops, so dass vor- und nachmittags jeweils sechs unterschiedliche angeboten wurden, von denen man die Hälfte besuchen konnte.

Workshops haben den Vorteil, dass die angebotenen Inhalte anschaulicher dargeboten werden können und die Teilnehmer die Möglichkeit haben, Geräte und Verfahren zu sehen oder selbst auszuprobieren. Es macht zum Beispiel einen Unterschied, ob man lediglich erzählt bekommt, wie Materialien feingereinigt werden können oder ob man wie im Workshop von Dr. Christoph Trautmann, Karin Götz und Bernhard Eckert auf präparierten unterschiedlichen Materialien selbst ausprobieren kann, wie gut sich durch Tonerpulver simulierter Schimmelbefall mit Bausaugern und Mikrofasertüchern jeweils entfernen lässt – inklusive eines abschließenden Blicks in das Mikroskop auf die Klebefilmprobe, die das offenbarte, was den Reinigungsbemühungen Stand gehalten hatte.

Ein weiteres Beispiel: Dirk Herberg stellte die optische Bauforensik vor, eine Untersuchungsstrategie, an der zunehmend Interesse besteht. Mit dieser Methode lässt sich eine schwache Fluoreszenz anregen und so mit bloßem Auge nicht erkennbare Verunreinigungen sichtbar machen. So können zum Beispiel alte Schäden oder geeignete Stellen für Probennahmen gefunden werden. Die Methode beruht auf einer Kombination aus einer monochromatischen LED-Lampe mit einem Filter in der Komplementärfarbe. Auch hier hatte Herberg Präparate, Lampen und Filter dabei, so dass die Teilnehmer selbst auf Spurensuche gehen konnten.

Gerne länger hätte der Workshop von Richard Zinken, Firma Corroventa, dauern können, der nicht nur das Drei-Phasen-Modell der Trocknung, von der Kapillartrocknung über Kapillar- und Diffusionstrocknung bis hin zur reinen Diffusionstrocknung erläuterte, sondern auch ein Diagramm vorstellte, das alle Parameter enthält, um einen Trocknungsprozess einzuschätzen und zu steuern: Wassergehalt, Trockenkugel-Temperatur (relative Luftfeuchtigkeit < 50 %), Feuchtkugel-Temperatur (relative Luftfeuchtigkeit > 50 %), Enthalpie (Wärmeinhalt) und Dampfdruck. Um den Zusammenhang dieser Einflussfaktoren auf die Steuerung einer Trocknung tiefer zu verstehen, reichte die Zeit leider nicht aus.

Aber nicht alle Workshops ernteten Lob von ihren Teilnehmern. „Zu werblich“ war eine mehrfach geäußerte Kritik in den Pausengesprächen.

Wenn Holz zu feucht wird

Der zweite Tag fand dann wieder im Plenum statt und widmete sich schwerpunktmäßig dem Schimmelbefall auf Bauteilen aus Holz oder Holzwerkstoffen. Zunächst gab Angela Steinfurth einen Überblick über holzbesiedelnde Pilze und unterschied zwischen holzzerstörenden Pilzen wie Weiß-, Braun- und Moderfäulepilzen und den holzverfärbenden Schimmel- und Bläuepilzen. Erstere werden saniert, um die statischen Eigenschaften zu erhalten, letztere aus innenraumhygienischen (Schimmel) beziehungsweise nutzungsbedingt/ästhetischen Gründen (Bläue). Die Wachstumsvoraussetzungen werden bei allen diesen Pilzen von den gleichen Faktoren bestimmt, insbesondere von der Feuchtigkeit, dem Angebot an Holz-Nährstoffen und dem Zeitraum, in dem für die Pilze günstige Bedingungen vorliegen.

Interessant ist, dass sowohl die Schimmel-, die Bläue- als auch die Moderfäulepilze den Deutero- und Ascomyceten zuzuordnen sind. So können unterschiedliche Schadensbilder von der gleichen Art ausgelöst werden. Wie, ist abhängig von den Umgebungsbedingungen und dem Zeitfaktor. So wird Chaetomium spp. als Schimmelpilz angesehen, kann aber auf Holz Moderfäule auslösen. Ascomyceten können zudem in Haupt- und Nebenfruchtform auftreten. Als Beispiel nannte Steinfurth Peziza spp. Bei hohen Feuchtelasten ist Peziza spp. als Becherling gut erkennbar. Die Nebenfruchtform Chromelosporium spp. wird hingegen als typischer Schimmelpilz abgesehen.

Die Sanierungskonzepte werden darauf abgestimmt. Als Bläuepilze werden Mikropilze mit pigmentierten Hyphen bezeichnet. So lange die Hyphen im Inneren des Holzes wachsen und es zu keiner oberflächlichen Ausbreitung kommt, wird Bläue allein als Verfärbung betrachtet. Im Gegensatz zu Schimmel, der in der Regel die Oberfläche besiedelt, kann Bläue nicht durch abtragende Verfahren entfernt werden.

Pia Haun erläuterte, wie bei einem Schimmelschaden auf Holz die Sanierung geplant und durchgeführt werden kann. Geklärt werden sollten dabei unter anderem folgende Fragen:

  • Liegen (weiterhin) die Wachstumsbedingungen für Schimmel vor? (Messung der relativen Luftfeuchtigkeit)
  • Ist eine technische Trocknung sinnvoll und möglich? (falls ja, einleiten)
  • Welche Funktion hat das Holz? (zum Beispiel tragend/aussteifend, dämmend, luftdicht, dekorativ)
  • Ist das Material geschädigt, so dass es seine Funktion nicht mehr erfüllen kann und ein Rückbau aus technischen Gründen notwendig ist? (Quellen und Schwinden ist bei Holzwerkstoffen irreversibel, der Schimmelbefall ist dann nachrangig)

Sind diese Fragen geklärt, ist das Sanierungsziel mit dem Bauherrn festzulegen. Da der Schimmel bei Vollholz nur die Oberfläche besiedelt, kann er mit reinigenden und abtragenden Verfahren in der Regel gut entfernt werden – vorausgesetzt die befallenen Bereiche sind für den Handwerker mit „normaler“ Statur auch erreichbar. Anders sieht es bei Holzwerkstoffen aus. Bei diesen ist es möglich, dass der Schimmel den gesamten Querschnitt durchwächst, ein Austausch ist dann unvermeidlich.

In diesem Zusammenhang äußerte sich Haun kritisch zum Abschotten schimmelbelasteter Bereiche. Sie stellte bei dieser Sanierungsmethode die Dauerhaftigkeit infrage und wies darauf hin, dass es schwierig zu überprüfen sei, ob auf Dauer keine Schimmelbestandteile in den Innenraum gelangen.

Als dritter Referent zum Thema Schimmel auf Holz stieg Björn Dinger auf das Podium. Er widmete sich insbesondere der Feuchtigkeit als Grundbedingung für Schimmelwachstum. Feuchtigkeit kann aus dem Holz selbst oder aus Oberflächenablagerungen beziehungsweise der Umgebung kommen. Dünger veranschaulichte, dass die Materialfeuchte nach der Herstellung durch die technische Trocknung in der Regel unproblematisch sei. Feuchtequellen sind eher falsche Lagerung, Baufeuchte oder auch Feuchtigkeit aus der Nutzung.

Dünger zeigte an Beispielen, dass es häufig gerade bei Winterbaustellen zu einem Auffeuchten der Hölzer kommt, wenn nach dem Erstellen des Dachstuhls das Gebäude durch Fenster und Türen geschlossen wird, sei es dass die luftdichte Ebene zum Dachraum noch nicht erstellt oder mangelhaft ist oder es sich um eine wenig fehlertolerante gedämmte, ungelüftete Flachdachkonstruktion handelt.

Wenn die Ursache im Verborgenen liegt

Eine detektivische Note hatte der Vortrag von Robert Kussauer und Florian Schwan, die als Sachverständiger und Sanierer den Schimmelschaden in einem Kindergarten zu sanieren hatten. Angenommen wurde anfangs ein begrenzter Schimmelschaden infolge eines vorübergehend undichten Dachs mit kalkulierten Sanierungskosten von circa 2.000 Euro. Da die Laborwerte trotz augenscheinlich unauffälligem Befund ungewöhnlich hoch ausfielen, entschloss man sich zu einer Öffnung des Bodens und stellte fest, dass in der Konstruktion zwei bis fünf Millimeter Wasser stand.

Die Suche nach der Ursache begann. Dabei wurden weitere Schäden entdeckt: die Holzschwellen waren zum Beispiel von holzzerstörenden Pilzen befallen. Nachdem durch weitere Öffnungen nach und nach verschiedene Mängel ausgeschlossen werden konnten, entpuppte sich schließlich ein nicht verschraubtes Abwasserrohr als Hauptursache für die in die Konstruktion gelangte Feuchtigkeit. Am Ende betrugen die Sanierungskosten 400.000 Euro. Aber was wäre gewesen, wenn nur das anfängliche Schadensbild saniert worden wäre und Sachverständiger und Sanierer nicht so hartnäckig auf weitere Untersuchungen bestanden beziehungsweise diese auf eigene Verantwortung durchgeführt hätten?

Text/Autor: Michael Henke, Management Programm B+B BAUEN IM BESTAND,
erschienen in B+B BAUEN IM BESTAND, Ausgabe 4. September 2019,
Mehr unter https://www.bauenimbestand24.de/

 

 


Das war die Pilztagung 2018 - Eindrücke

 
 
 

Ein ganz herzliches Dankeschön an Bernhard Eckert, Avalon Karin E. Götz Gebäudedienstleistungen für all die wunderbaren Fotos!

Referenten und Eindrücke 20. Juni 2017

 

Referenten und Eindrücke 21. Juni 2017

 
 

Unsere Aussteller haben uns zwei Tage lang begleitet und die Tagung bereichert

 
 

EIN RÜCKBLICK:

21. Pilztagung: Biozide und Bautrocknung auf dem Prüfstand

Ist der Einsatz von Bioziden bei Schimmelbefall in Gebäuden wirksam und sinnvoll? Diese Frage stand im Vordergrund der 21. Pilztagung, die mit knapp 300 Teilnehmern vom 19. bis zum 21. Juni in Wiesbaden-Niedernhausen stattgefunden hat.

21. Pilztagung 2017 Podiumsdiskussion

Theorie trifft Praxis – an der Podiumsdiskussion auf der 21. Pilztagung beteiligten sich: Dr. Martin Krüger von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, Bausanierer Mike Steringer, Judith Meider vom Labor Urbanus, die Sachverständige Irina Kraus-Johnsen, Biologin Dr. Constanze Messal und Dr. Regine Szewzyk vom Umweltbundesamt. (Abb.: B+B BAUEN IM BESTAND/P. John)

Wer Biozide zur Bekämpfung von Schimmelschäden anwendet, setzt sich gesundheitlichen Gefahren und Belastungen aus. Dabei ist ihre Wirkung auf Schimmelpilze durchaus umstritten. Der neue Schimmelleitfaden des Umweltbundesamts, der in Kürze im Weißdruck erscheint, empfiehlt ihren Einsatz nur noch für nichtgenutzte Räume, die nicht in Verbindung zu Nutz- und Wohnräumen stehen, um zumindest die Belastung für die Nutzer zu reduzieren. „Aus Sicht des Arbeitsschutzes ist ein Biozideinsatz nicht sinnvoll, außer es liegt ein Fäkalschaden vor.“ sagte Andrea Bonner von der BG Bau. „Das Infektionsrisiko, das von einem Schimmelbefall ausgeht, ist für Gebäudenutzer und Sanierer ohnehin sehr gering“.

In der Praxis werden Biozide allerdings immer noch häufig eingesetzt. Der finanzielle Druck ist hoch, einen Schimmelschaden zu „desinfizieren“ erscheint oft günstiger und weniger aufwendig als der Rückbau des befallenen Materials. Auch eine psychologische Wirkung nannten einige Teilnehmer und Referenten der 21. Pilztagung als Beweggrund für den Einsatz von Bioziden. Der Nutzer fühle sich sicherer, wenn Chemikalien eingesetzt worden seien, bestätigte Mike Steringer, der ein Sanierungs- und Bautrocknungsunternehmen führt.

Was wissen wir über die Wirksamkeit?

Das der Wissenstand über die Wirksamkeit von Bioziden, wenn sie auf poröse Baumaterialien aufgespritzt oder vernebelt werden, oder Dämmschichten unter Estrichen geflutet werden, machten die Vorträge von Dr. Martin Krüger von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin sowie Dr. Ingeborg Schwebke vom Robert Koch Institut deutlich.

21. Pilztagung 2017 Ingeborg Schwebke

Dr. Ingeborg Schwebke stellte Untersuchungsmethoden des Robert Koch Instituts vor. Nach dem Vortrag erhielt traditionsgemäß jeder Referent und jede Referentin einen Pilz. (Abb.: B+B BAUEN IM BESTAND/P. John)

Krüger erläuterte, für welche Anwendungen Biozide im Zulassungsverfahren für den Europäischen Markt geprüft werden: In der Regel handelt es sich dabei um Wischverfahren auf glatten Flächen. Auch am Robert Koch Institut prüft man die Wirkung verschiedener Chemikalien auf die verschiedenen in Schimmelschäden enthaltenen Mikroorganismen: in der Regel auf glatten Flächen. Im Moment laufen Untersuchungen, die Auskunft über die Wirksamkeit auf Pappelholz geben sollen.

Um weitere Erkenntnisse zu erhalten, unterstützt der Bundesverband Schimmelpilz-Sanierung e. V. eine Studie, die sich mit der Anwendung auf Baustoffen, beschäftigt. Sie wird von Dr. Manfred Gareis von der Ludwig-Maximilians-Universität und seinem Team durchgeführt und soll klären, wie verschiedene am Markt befindliche Produkte auf Schimmelpilzen auf einer Standardraufasertapete wirken.

Wie trocken ist trocken?

Der zweite Tag der Vortragsveranstaltung beschäftigte sich mit Theorie und Praxis der Bautrocknung. Dabei stand immer die Frage im Vordergrund, wie sich prüfen lässt, ob ein Bauteil wirklich ausreichend getrocknet ist. Bauphysikalische Grundlagen zur Ausgleichsfeuchte in Estrichen beleuchtete Dr. Uwe Schürger vom Institut für Bautenschutz, Baustoffe und Bauphysik Dr. Rieche und Dr. Schürger. „Man sollte niemals zweimal messen, sonst misst man beim zweiten Mal einen anderen Wert“, eröffnete er ironisch seinen Vortrag, in dem er unter anderem verschiedene Feuchtemessverfahren erläuterte.

21. Pilztagung 2017 Annika Niesen B+B-Stand

Die B+B war vor Ort: Während die Redaktion Kontakte knüpfte, den Vorträgen lauschte und fotografierte, stellte Annika Niesen das Medienangebot zum Thema Schimmelpilze und Bausanierung der Rudolf Müller Mediengruppe vor. (Abb.: B+B BAUEN IM BESTAND/P. John)

Dass die gemessenen Feuchtewerte auch in einer nach einem Wasserschaden getrockneten Estrichdämmschicht stark differieren können, zeigte der Sachverständige Ralf Gebauer. An der Universität Innsbruck hatte man eine Untersuchung durchgeführt, bei der die Trocknung (Unterdruckverfahren) von EPS und KMF-Dämmstoffen unter Estrichen numerisch simuliert und an einem Prüfstand überprüft wurde. Es zeigte sich erwartungsgemäß, dass das durchlässige KMF ein grundlegend anderes Trocknungsverhalten als das dichte EPS aufweist. In beiden Fällen konnte gezeigt werden, dass die Trocknung, auch durch das in der Dämmschicht ungleichmäßige Durchströmungsverhalten der Luft, auf die Fläche verteilt Unterschiede aufweist. Beim Ausbau des EPS-Dämmstoffs konnte ein sichtbarer mikrobieller Befall nachgewiesen werden, der entsprechend der stärker und schwächer belüfteten Bereiche unterschiedlich ausgeprägt war.

Viele Antworten – und noch viel mehr Fragen

Die Frage nach dem richtigen Umgang mit Schimmelschäden in Gebäuden ist komplex und kann nur interdisziplinär beurteilt werden. Das zeigte auch der intensive Dialog zwischen Forschern und Forscherinnen, Sachverständigen und Handwerkern und Handwerkerinnen auf der 21. Pilztagung. Deutlich wurde aber auch, dass fast jeder Vortrag zu neuen Fragen und Diskussionen anregte und der Forschungsbedarf über Schimmelschäden in Gebäuden immer noch groß ist., wobei die Fragestellungen sich stark an der Praxis orientieren müssen.

Die 21. Pilztagung wurde veranstaltet vom Bundesverband Deutscher Baubiologen (VDB), dem Bundesverband Schimmelpilzsanierung (BSS) in Kooperation mit dem Umweltbundesamt. Die 22. Pilztagung findet vom 18. bis zum 20. Juni 2018 in Wiesbaden-Niedernhausen statt. Weitere Informationen finden sich in Kürze auf der Webseite der Pilztagung .

Einen ausführlichen Bericht zur 21. Pilztagung mit dem Schwerpunkt „Biozideinsatz“ finden Sie in Ausgabe 5-2017 der B+B BAUEN IM BESTAND, die am 5. September erscheint.

Autorin: Pauline John

Quelle: Bauen im Bestand24.de, Branchen-News Ausgabe #257 l 27.06.2017, www.bauenimbestand24.de