22. PILZTAGUNG 2018

Die Tagung findet statt in Wiesbaden am 19. und 20. Juni 2018 mit vorgeschaltetem Workshop am 18. Juni 2018.

Sie finden hier zeitnah weitere Informationen.


EIN RÜCKBLICK:

21. Pilztagung: Biozide und Bautrocknung auf dem Prüfstand

Ist der Einsatz von Bioziden bei Schimmelbefall in Gebäuden wirksam und sinnvoll? Diese Frage stand im Vordergrund der 21. Pilztagung, die mit knapp 300 Teilnehmern vom 19. bis zum 21. Juni in Wiesbaden-Niedernhausen stattgefunden hat.

21. Pilztagung 2017 Podiumsdiskussion

Theorie trifft Praxis – an der Podiumsdiskussion auf der 21. Pilztagung beteiligten sich: Dr. Martin Krüger von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, Bausanierer Mike Steringer, Judith Meider vom Labor Urbanus, die Sachverständige Irina Kraus-Johnsen, Biologin Dr. Constanze Messal und Dr. Regine Szewzyk vom Umweltbundesamt. (Abb.: B+B BAUEN IM BESTAND/P. John)

Wer Biozide zur Bekämpfung von Schimmelschäden anwendet, setzt sich gesundheitlichen Gefahren und Belastungen aus. Dabei ist ihre Wirkung auf Schimmelpilze durchaus umstritten. Der neue Schimmelleitfaden des Umweltbundesamts, der in Kürze im Weißdruck erscheint, empfiehlt ihren Einsatz nur noch für nichtgenutzte Räume, die nicht in Verbindung zu Nutz- und Wohnräumen stehen, um zumindest die Belastung für die Nutzer zu reduzieren. „Aus Sicht des Arbeitsschutzes ist ein Biozideinsatz nicht sinnvoll, außer es liegt ein Fäkalschaden vor.“ sagte Andrea Bonner von der BG Bau. „Das Infektionsrisiko, das von einem Schimmelbefall ausgeht, ist für Gebäudenutzer und Sanierer ohnehin sehr gering“.

In der Praxis werden Biozide allerdings immer noch häufig eingesetzt. Der finanzielle Druck ist hoch, einen Schimmelschaden zu „desinfizieren“ erscheint oft günstiger und weniger aufwendig als der Rückbau des befallenen Materials. Auch eine psychologische Wirkung nannten einige Teilnehmer und Referenten der 21. Pilztagung als Beweggrund für den Einsatz von Bioziden. Der Nutzer fühle sich sicherer, wenn Chemikalien eingesetzt worden seien, bestätigte Mike Steringer, der ein Sanierungs- und Bautrocknungsunternehmen führt.

Was wissen wir über die Wirksamkeit?

Das der Wissenstand über die Wirksamkeit von Bioziden, wenn sie auf poröse Baumaterialien aufgespritzt oder vernebelt werden, oder Dämmschichten unter Estrichen geflutet werden, machten die Vorträge von Dr. Martin Krüger von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin sowie Dr. Ingeborg Schwebke vom Robert Koch Institut deutlich.

21. Pilztagung 2017 Ingeborg Schwebke

Dr. Ingeborg Schwebke stellte Untersuchungsmethoden des Robert Koch Instituts vor. Nach dem Vortrag erhielt traditionsgemäß jeder Referent und jede Referentin einen Pilz. (Abb.: B+B BAUEN IM BESTAND/P. John)

Krüger erläuterte, für welche Anwendungen Biozide im Zulassungsverfahren für den Europäischen Markt geprüft werden: In der Regel handelt es sich dabei um Wischverfahren auf glatten Flächen. Auch am Robert Koch Institut prüft man die Wirkung verschiedener Chemikalien auf die verschiedenen in Schimmelschäden enthaltenen Mikroorganismen: in der Regel auf glatten Flächen. Im Moment laufen Untersuchungen, die Auskunft über die Wirksamkeit auf Pappelholz geben sollen.

Um weitere Erkenntnisse zu erhalten, unterstützt der Bundesverband Schimmelpilz-Sanierung e. V. eine Studie, die sich mit der Anwendung auf Baustoffen, beschäftigt. Sie wird von Dr. Manfred Gareis von der Ludwig-Maximilians-Universität und seinem Team durchgeführt und soll klären, wie verschiedene am Markt befindliche Produkte auf Schimmelpilzen auf einer Standardraufasertapete wirken.

Wie trocken ist trocken?

Der zweite Tag der Vortragsveranstaltung beschäftigte sich mit Theorie und Praxis der Bautrocknung. Dabei stand immer die Frage im Vordergrund, wie sich prüfen lässt, ob ein Bauteil wirklich ausreichend getrocknet ist. Bauphysikalische Grundlagen zur Ausgleichsfeuchte in Estrichen beleuchtete Dr. Uwe Schürger vom Institut für Bautenschutz, Baustoffe und Bauphysik Dr. Rieche und Dr. Schürger. „Man sollte niemals zweimal messen, sonst misst man beim zweiten Mal einen anderen Wert“, eröffnete er ironisch seinen Vortrag, in dem er unter anderem verschiedene Feuchtemessverfahren erläuterte.

21. Pilztagung 2017 Annika Niesen B+B-Stand

Die B+B war vor Ort: Während die Redaktion Kontakte knüpfte, den Vorträgen lauschte und fotografierte, stellte Annika Niesen das Medienangebot zum Thema Schimmelpilze und Bausanierung der Rudolf Müller Mediengruppe vor. (Abb.: B+B BAUEN IM BESTAND/P. John)

Dass die gemessenen Feuchtewerte auch in einer nach einem Wasserschaden getrockneten Estrichdämmschicht stark differieren können, zeigte der Sachverständige Ralf Gebauer. An der Universität Innsbruck hatte man eine Untersuchung durchgeführt, bei der die Trocknung (Unterdruckverfahren) von EPS und KMF-Dämmstoffen unter Estrichen numerisch simuliert und an einem Prüfstand überprüft wurde. Es zeigte sich erwartungsgemäß, dass das durchlässige KMF ein grundlegend anderes Trocknungsverhalten als das dichte EPS aufweist. In beiden Fällen konnte gezeigt werden, dass die Trocknung, auch durch das in der Dämmschicht ungleichmäßige Durchströmungsverhalten der Luft, auf die Fläche verteilt Unterschiede aufweist. Beim Ausbau des EPS-Dämmstoffs konnte ein sichtbarer mikrobieller Befall nachgewiesen werden, der entsprechend der stärker und schwächer belüfteten Bereiche unterschiedlich ausgeprägt war.

Viele Antworten – und noch viel mehr Fragen

Die Frage nach dem richtigen Umgang mit Schimmelschäden in Gebäuden ist komplex und kann nur interdisziplinär beurteilt werden. Das zeigte auch der intensive Dialog zwischen Forschern und Forscherinnen, Sachverständigen und Handwerkern und Handwerkerinnen auf der 21. Pilztagung. Deutlich wurde aber auch, dass fast jeder Vortrag zu neuen Fragen und Diskussionen anregte und der Forschungsbedarf über Schimmelschäden in Gebäuden immer noch groß ist., wobei die Fragestellungen sich stark an der Praxis orientieren müssen.

Die 21. Pilztagung wurde veranstaltet vom Bundesverband Deutscher Baubiologen (VDB), dem Bundesverband Schimmelpilzsanierung (BSS) in Kooperation mit dem Umweltbundesamt. Die 22. Pilztagung findet vom 18. bis zum 20. Juni 2018 in Wiesbaden-Niedernhausen statt. Weitere Informationen finden sich in Kürze auf der Webseite der Pilztagung .

Einen ausführlichen Bericht zur 21. Pilztagung mit dem Schwerpunkt „Biozideinsatz“ finden Sie in Ausgabe 5-2017 der B+B BAUEN IM BESTAND, die am 5. September erscheint.

Autorin: Pauline John

Quelle: Bauen im Bestand24.de, Branchen-News Ausgabe #257 l 27.06.2017, www.bauenimbestand24.de